Erinnern
Historische Orte, Archive und Geschichten werden sichtbar und verständlich, ohne nostalgisch zu verklären.
Berliner Zeitungsviertel
Neustart der Initiative
Nach einer Pause ist die Initiative Berliner Zeitungsviertel wieder aktiv. Wir machen die Geschichte des historischen Medienquartiers im Stadtbild erlebbar, stärken Erinnerungskultur und vernetzen Akteurinnen und Akteure aus Kultur, Bildung und Stadtentwicklung.
Interaktive Orte
Entdecken Sie historische Medienstandorte auf einer interaktiven Karte. Entstanden in Kooperation mit dem Kulturwerk der Staatsbibliothek zu Berlin für die Ausstellung »Im Rhythmus der Großstadt – 100 Jahre Fotografie und Presse in Berlin«.
Wir schaffen eine zeitgemäße Plattform für Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Berliner Zeitungsviertels. Dabei setzen wir auf zugängliche Angebote, transparente Zusammenarbeit und eine lebendige Erinnerungskultur mitten in der Stadt.
Wir sind eine Gruppe engagierter Menschen aus den Bereichen Journalismus, Wissenschaft, Verlagswesen, Museum und Gestaltung. Im September 2007 gründeten wir den gemeinnützigen Verein »Initiative Berliner Zeitungsviertel«. Sie will die Erinnerung an das historische Berliner Medienquartier stärken und Brücken zu Gegenwart und Zukunft schlagen. Dafür realisierte sie im Stadtraum eine kleine Open-Air-Ausstellung, organisiert Veranstaltungen und Führungen durch das historische Berliner Zeitungsviertel.
Gründer der Initiative war der 2010 verstorbene Journalist und Verleger Walter E. Keller Treuchtlingen/Berlin, Autor des Buches »Vom Zeitungsviertel zum Medienquartier«.
Den vierköpfigen Vorstand bilden seit 2022 als 1. Vorsitzende Dipl. Des. Helga Lieser (Berlin), als 2. Vorsitzende Prof. Dr. Ursula Koch (München/Paris), als Schatzmeister Rainer Boldt und als Schriftführer Martin Düspohl.
Kontakt: helga.lieser@berlin.de
Historische Orte, Archive und Geschichten werden sichtbar und verständlich, ohne nostalgisch zu verklären.
Wir bringen Menschen aus Medien, Kultur, Bildung und Stadtentwicklung an einen Tisch.
Gemeinsam entwickeln wir neue Formate für einen lebendigen Stadtraum, der Geschichte und Gegenwart verbindet.
Das Zeitungsviertel gilt als Herzstück der Berliner Presse- und Mediengeschichte. Heute ist es ein vielfältiger Stadtraum mit Potential für neue Perspektiven.
Das historische Berliner Zeitungsviertel rund um die Kochstraße galt in Kaiserzeit und Weimarer Republik als größter Presseplatz weltweit. Wo sich heute u.a. die Axel Springer AG, der Tagesspiegel und die tageszeitung (taz) ihren Sitz haben, ließen damals die Zeitungszaren Leopold Ullstein, Rudolf Mosse und August Scherl die ersten großen Massenblätter drucken. Hier wurde die Straßenverkaufspresse geboren, die Boulevardzeitung, der Typus des Generalzeigers als Abonnementzeitung und schließlich das Bilderblatt, die Illustrierte.
Die drei großen Verlagsimperien, Nachrichtendienste, an die hundert Redaktionen, unzählige Druckereien und grafische Betriebe sorgten zwischen Leipziger Straße und dem heutigen Mehringplatz für Betrieb rund um die Uhr.
Durch die deutsche Vereinigung erneut ins Zentrum und in die unmittelbare Nähe zur Politik gerückt, ist das Zeitungsviertel wieder ein wichtiger Medienstandort geworden, wo sich viele Presseverlage, Verlegerverbände und Unternehmen aus den Bereichen Informationstechnologie, Film, Video und Fernsehen angesiedelt haben. Dabei droht jedoch die lange, traditionsreiche Geschichte des neuen Medienquartiers in Vergessenheit zu geraten.
Unsere Arbeit orientiert sich an langfristigen Zielen und ist flexibel für neue Ideen.
Stadtführungen und Workshops sprechen verschiedene Zielgruppen an.
Wir initiieren Projekte, die den Stadtraum lesbar machen und neue Begegnungen ermöglichen.
Digitale Dokumentation, Karten, Sammlungen und Kulturprogramme entstehen in Partnerschaft mit Institutionen und lokalen Akteurinnen und Akteuren.
Die Stadtführung gibt einen Überblick über die Entwicklung des Quartiers und reflektiert die Veränderungen in der Medienlandschaft seit der Kaiserzeit. Historische Brüche werden ebenso erkennbar wie überraschende Kontinuitäten, etwa in der Selbstinszenierung großer Medienunternehmen in der Stadt. Am ehemaligen Mauerstreifen und Checkpoint Charlie wird deutlich, wie sehr Medienberichterstattung unseren Blick auf die Geschichte beeinflusst.
Der Stadtrundgang zu den Originalschauplätzen führt zu den Spuren der glanzvollen Geschichte, informiert über die Folgen der Gleichschaltungspolitik durch die Nazis, lässt aber auch etwas von dem neuen Schwung merken, den das jahrzehntelang durch die Mauer zerschnittene Quartier 80 Jahre nach der Auslöschung des alten Zeitungsviertels als neues überregionales Medienquartier derzeit erlebt.
Außerdem bieten wir Führungen mit speziellen Themenschwerpunkten an:
Erich Kästner, Gabriele Tergit, Mascha Kaléko, Vicki Baum, Joseph Roth und viele andere bedeutende Autorinnen und Autoren lebten davon, dass sie Texte für die im Zeitungsviertel ansässigen Medien schrieben oder in Redaktionen arbeiteten. Oft war der Anhalter Bahnhof, am Rand des Quartiers gelegen, Startpunkt und Endpunkt von Karrieren im Berliner Medienbetrieb. In Gedichten, Romanen und Feuilletons ist die besondere Atmosphäre des Viertels in seiner Blütezeit zwischen den Weltkriegen aufbewahrt.
Die Veränderungen des Journalismus durch die Entwicklung der Bildmedien und Reproduktionstechniken im 20. Jahrhundert steht im Mittelpunkt dieses Rundgangs. Er verortet berühmte Pressefotos im Stadtraum, reflektiert die Bedeutung der Fotografie für den Boom der illustrierten Presse seit den 1920er-Jahren und ihre Instrumentalisierung durch die NS-Propaganda. Wie bis heute mit Fotos Politik gemacht wird, zeigt nicht allein das Beispiel der im Viertel ansässigen »Bild«-Zeitung. Inzwischen sind im Quartier auch neue Medienportale aktiv, die sich länger dem Pressekodex verpflichtet fühlen.
Durchführung der Touren (ca. 2 Stunden): Michael Bienert und Marianne Mielke
Weitere Informationen und Buchungen
E-Mail:
post@michaelbienert.de
Web:
michaelbienert.de/medienstadt-berlin/
Unser Mitglied Prof. i.R. Dr. Anne König, Buchdruckerin und ehem. Professorin der Betriebswirtschaftslehre für Druckindustrie und Verlage, gibt Einblicke in die Arbeitsweise des Handsatzes und Buchdrucks. Mitten in Kreuzberg beginnt 1928 die Geschichte der Druckwerkstatt im FHXB-Museum, die mit Unterstützung der Initiative eingerichtet wurde.
An den Handsatzarbeitsplätzen setzten Otto Schneider und später sein Sohn Gerd Aufträge für das lebendige Geschäftsleben des Bezirkes. Gedruckt wurde im Tiegel- und im Zylinderdruckprinzip. Die Führung zeigt, wie bis in die 1980er-Jahre hinein sogenannte Akzidenzdrucksachen entstanden, von Visitenkarten über Briefbögen bis zu Hochzeitsanzeigen und Preislisten.
Und es bleibt nicht beim Zuschauen: Jede Besucherin und jeder Besucher kann einen »Winkelhaken« in die Hand nehmen und eine kurze Zeile setzen, so wie das schon Johannes Gutenberg im 15. Jahrhundert erfunden hat. Sobald sie repariert ist, wird auch die Bleisatzmaschine »Linotype« wieder vorgeführt.
Die Initiative entwarf zusammen mit erfahrenen Ausstellungsmachern und Gestaltern ein Ausstellungskonzept, das von der Idee multimedialer Ausstellungsmodule ausging: 14 Stelen, die an zentralen Orten dauerhaft aufgestellt werden, erzählen in 14 Kapiteln von Geschichte und Gegenwart des Zeitungsviertels.
Die 14 Themen umspannen die Weite und Vielfalt der Berliner und zugleich deutschen Pressegeschichte: Anfänge der Berliner Presse, Großunternehmen und Massenpresse, Parteipresse, Pressezensur, Alternativpresse, Nachrichtentechnik und Vertrieb, Druck und Datenverarbeitung, Bild und Layout, Filmproduktion und Werbung, die Rolle von Journalisten und Lesern, Gewerkschaften und Verbänden sowie jüdischen Verlegern und Journalisten.
Geografisch zentral gelegen, in Nachbarschaft zu zahlreichen Büros, Hotels, Restaurants, Läden und Galerien sowie in unmittelbarer Nähe zu viel besuchten Sehenswürdigkeiten wie Topographie des Terrors, Jüdisches Museum oder Checkpoint Charlie, will die Ausstellung alle Menschen ansprechen, die sich für Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Medien interessieren – vom gedruckten Zeitungsblatt bis zur Internet-Presse.
Bisher ist erst eine »Vorschau« auf dieses Projekt realisiert. Fünf Stelen stehen in Kreuzberg und Mitte an historisch bedeutsamen Orten der Berliner Medienlandschaft: drei an der Rudi-Dutschke-Straße/Ecke Lindenstraße zur Einführung in die Geschichte des Zeitungsviertels sowie den Verlagen Scherl und Ullstein, eine an der Schützenstraße zu Rudolf Mosse und eine an der Friedrichstraße für den Filmpionier Oskar Messter vor dem Gebäude der Ärztekammer. Im Friedrichshain-Kreuzberg Museum wurde mit Unterstützung der Initiative eine historische Setzerei und Druckerei eingerichtet. Außerdem erinnert eine Gedenkstele in Form eines Zeitungsarms an den Chefredakteur des Berliner Tageblatts Theodor Wolff in dem nach ihm benannten Park an der Friedrichstraße/Ecke Franz-Klühs-Straße.
Wenn alle Ausstellungsmodule fertiggestellt sind, sollen sie zunächst auf einem Stadtplanausschnitt des Zeitungsviertels im Lichthof des Museums für Kommunikation in Berlin präsentiert werden, bevor sie in den öffentlichen Stadtraum gehen.
Jedes Modul verbindet einen Rückblick auf die Geschichte mit einem Bezug zur Gegenwart. Man erfährt vom Käuferansturm auf die Extrablätter zum Kriegsausbruch 1914 und erhält – über QR-Codes – Einblicke in die frühen Filmstudios der Friedrichstraße oder Wochenschauen der NS-Zeit, begegnet Bildern der Studentenunruhen von 1968 oder bekommt Einblick in ein modernes Fernsehstudio, klickt in die Online-Ausgabe einer Tageszeitung oder hört ein Interview mit jungen Bloggern aus der Hauptstadt. Das begleitende Glossar und die Internetseite stellen wichtige Personen vor, darunter die mächtigen Verleger Leopold Ullstein, August Scherl und Alfred Hugenberg. Hinzu kommen bekannte Pressetitel wie B. Z. am Mittag, Vossische Zeitung, Vorwärts oder Die Welt.
Digitale Dokumentation, Karten und Sammlungen ergänzen den physischen Stadtraum. Partnerschaften mit Institutionen und lokalen Akteurinnen und Akteuren stärken die Wirkung. Veranstaltungen, Ausstellungen und Lesungen finden von Fall zu Fall statt.
Aktuell kooperieren wir mit dem Kulturwerk der Staatsbibliothek zu Berlin: In der Ausstellung »Im Rhythmus der Großstadt – 100 Jahre Fotografie und Presse in Berlin« (12. Juni – 20. Dezember 2026) sind die historischen Medienstandorte auf einer interaktiven Karte erlebbar.
Der Verein lebt von Engagement. Ob Expertise, Zeit oder Netzwerk – jede Unterstützung hilft beim Neustart.
Wir richten unsere Kommunikationskanäle aktuell neu ein. Die Kontaktmöglichkeiten werden in Kürze veröffentlicht.
KontaktAnbieterkennzeichnung nach § 5 DDG
Initiative Berliner Zeitungsviertel e. V.
c/o F217
Monumentenstr. 33/34
10829 Berlin
info@berliner-zeitungsviertel.de
Verantwortlich nach § 18 Abs. 2 MStV
Helga Lieser
Monumentenstr. 33/34
10829 Berlin
Verein
Registernummer VR 27740 B
Vereinsregister des Amtsgerichts Berlin-Charlottenburg
Vertretungsberechtigt
Helga Lieser, 1. Vorsitzende.
Vorstandsmitglieder
Helga Lieser, Ursula Koch, Rainer Boldt, Martin Düspohl.